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Botswana und Zambia

Nach einigen ruhigen Tagen mit grünen Mambas, grunzenden Flusspferden und Freiluftduschen verlassen wir Namibia. Bereits um dreiviertel Sieben morgens haben wir alles fertig zusammengepackt und machen uns auf den Weg zur botsuanischen Grenze Ende Oktober. Antilopen und Oryx kreuzen unseren Weg und wen treffen wir hier wirklich zum letzten mal? Danica und Leron, unsere liebgewonnenen südafrikanischen Freunde! Botswana_klein_105

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Nachdem wir den Polizisten endgültig von unserer Unschuld in punkto Schnellfahren überzeugt haben ist dies für einige Stunden der letzte Kontakt mit Menschen. Busch, Busch und nochmals Busch, ansonsten ist hier wenig geboten. Wir schwitzen wie irre, es ist sauheiß und unpassender Weise hat Muli ein Problem und scheint fast zu explodieren. Wieder einmal ereilt uns ein kleines Autoproblem, diesmal ganz offensichtlich ein kaputter Kondensator. Erschwerend stellen wir zudem fest, dass unser Benzin zur Neige geht…

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Stunden später und endlich ein Dörfchen in Sicht. Weit gefehlt, denn in diesen 3 Häusern, aus welchen das Dörfchen besteht, gibt es nichts was uns weiterhilft. Wir müssen es also bis nach Maun schaffen, ein wenig beruhigender Gedanke, schließlich scheint dieses Land bis dato mehr von Tieren als von Menschen bewohnt zu sein. So gut wie nie erblicken wir ein Fahrzeug, zusätzlich machen uns die 40 Grad Innen- und Außentemperatur ungeheuerlich zu schaffen.

Geschafft – das Glück ist uns hold. 70 km später erreichen wir Maun, tanken 39,5 Liter in unseren 40 Liter Tank, kaufen einen neuen Kondensator und schlagen unser Zelt am Fuße des Okavangodeltas auf.  Grad noch schnell in die Stadt um nochmals Geld abzuheben und schon wieder stehen wir vor einer Herausforderung: in Maun werden unsere Geldkarten nicht akzeptiert. Dieses Problem hatten wir zum letzten mal in Äthiopien und Uganda, umso verwunderter sind wir, dass uns ausgerechnet hier sowas nochmals passiert. Wir streifen also von Bank zu Bank und werden erst am Flughafen fündig! Schnell besorgen wir noch zusätzliches Benzin und füllen unsere Kanister auf – wer weiß, was noch alles auf uns zukommt…

5 Uhr morgens und wir sind bereit für den Moremi Nationalpark. Doch wir können nicht mal den Sonnenaufgang genießen, denn wir stecken mitten im Tiefsand. Diese Straße stellt alle bisher gefahrenen in den Schatten, und Andi übernimmt die Rolle eines Rennfahrers. Die Räder graben sich immer tiefer in den Sand und Autofahren fordert sportliche Höchstleistungen. Wir erreichen den Park, aber von einer Besserung der Straßenverhältnisse ist keine Rede. Niemand weit und breit, kein Förster, kein Auto – zum Glück dreht sich Mulis Radachsenmutter immer noch. Langsam verstehen wir was es bedeutet, mit einem 30 Jahre alten, kaputten Auto durch die Wildnis zu brettern, kurzum: uns dämmert so langsam, auf was wir uns tatsächlich mit einer Botsuanareise eingelassen haben.

Querfeldein graben wir uns durch Sand, die Hitze macht uns zu schaffen, alle Fenster geöffnet und vor uns überquert eine Löwenmama mit ihrem Kleinen die Piste. Wow – wir sind entzückt, schießen Fotos und für mich stellt sich die Frage wo denn der Papa geblieben ist. Soeben ausgesprochen sehen wir aus dem Fenster und wer liegt da gerade eine Handbreite neben uns? Richtig, der Papa….! Ziemlich erschrocken stammle ich Andi zu, er möge doch bitte das Fenster schließen aber natürlich weit gefehlt… uns beiden klopft das Herz bis zum Halse aber Andi beharrt darauf noch schnell ein paar Fotos zu schießen. Einen Löwen so nah an der Seite – wann hat man das schließlich schon?

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Nachdem sich der Löwe weder für uns als Jause, noch für die Kühlerhaube vom Muli interessiert, setzen wir die Fahrt durch Sand, Sumpf und Schlamm fort. Wir stoppen an einem kleinen Wasserbecken, vertreten uns kurz die Füße und übersehen doch glatt zwei Flusspferde. Na wenn das so weitergeht, scheint es uns hier keinesfalls langweilig zu werden…Okavango Sumpf, Savanne, Busch – die Landschaft ist so vielfältig wie die Tierwelt. Giraffen, Elefanten, Zebras, Antilopen, Gnus, Löwen … alle möglichen Tiere kreuzen unseren Weg und sogar am Zeltplatz kriegen wir Besuch von nervigen Affen und einer Tüpfelhyiene.

05:30 in der Früh – wir fahren los und beschließen die Flussseite zu wechseln. Auf dieser Seite gibt es keinen Nationalpark mehr und somit sind wir allein. Oder besser gesagt, allein von Menschen, denn Tieren begegnen wir allerhand…

Abseits der ursprünglichen Pisten und Straßen schlagen wir den Weg zum Chobe Nationalpark ein. Die Piste wird immer schwieriger zu fahren und abermals kämpfen wir uns durch Tiefsand. Sand, Busch und Tiere – nur weit und breit kein Auto oder eine Menschenseele zu sehen. Andi steht am Höhepunkt seiner Fahrtechnik, dennoch ist uns äußerst mulmig zumute, so komplett offroad mit dem immer noch kranken Muli unterwegs zu sein. Zudem ist dies das erste mal in Afrika, dass nicht irgendwann ein Mensch aus dem Busch auftaucht oder irgendwo eine manyatta steht. Es ist richtig hart, wir kippen einmal beinahe mit dem Auto um und zudem stoßen wir uns seit Stunden die Köpfe am Dach an. Wie gesagt, die Fahrbedingungen lassen zu Wünschen übrig.

Es ist später Nachmittag und endlich taucht ein Zeichen der Zivilisation auf: ein Kontrollposten. Hurra, schließlich ist Mulis Vorderrad wieder locker. Andi wechselt die Antriebsachsenmutter und das war s . Uns wird klar, dass dies hier kein Spiel ist und dass ein Steckenbleiben ernsthafte Probleme bedeutet. Kurz darauf erreichen wir einen Schranken, sprich wenn alles stimmt, haben wir den Chobe erreicht. Wir müssen weder bezahlen noch irgendwas, zum Glück gibt s hier jedoch Benzin und wir füllen auf – so eine Sandfahrt hat s schließlich auch in punkte Treibstoffverbrauch in sich.

Kurz darauf sind alle Muli Probleme zumindest kurzzeitig vergessen: wir stehen direkt vor einer Elefantenherde. Überall Elefanten soweit das Auge reicht. Sie bespritzen sich gegenseitig, „kommunizieren“ untereinander und leider hat es einer von ihnen anscheinend auf unseren Muli abgesehen. Kurz vor der Windschutzscheibe legt er dann jedoch doch noch eine linkswende ein, oh mann,  wieder einmal klopft unser Herz bis zum Halse. Wissend, dass der Stärkere gewinnt rühren wir uns weiterhin eine ganze Weile nicht vom Fleck und genießen das Schauspiel.

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Den Elefanten wieder entkommen fordern der Sand und Schlamm so viel Benzin, dass wir abermals einem Engpass zusteuern. Wir müssen bis Kasane, dem nächsten Ort, aber die Straße fordert ihren Tribut und wir müssen uns auf unser Glück verlassen.

Stunden später und jetzt müssen wir auch noch vom „Weg“ abweichen. Der Sand ist jedoch eindeutig zu tief, zwischenzeitlich sind wir wieder zweimal beinahe umgekippt und so fahren wir weiter, vorbei an Elefanten, Giraffen und anderem Getier und hoffen auf Erlösung. Die Außentemperatur erreicht 40 Grad (nein, wir haben keine Klimaanlage) und auch dieser Weg endet irgendwann im tiefen Sand. Weitere Stunden später – wir stehen an der Erschöpfungsgrenze, erreichen wir ein kleines Dörfchen. Leider gibt es hier keinen Benzin, der Muli kracht und wir haben noch einige Kilometer vor uns. Am heutigen Tag haben wir bis dato (16:00 Uhr) nur 350 km zurückgelegt … gerechnet von 05:30 Uhr morgens…

Geschafft! Wir können es selber kaum fassen, aber mit dem letzten Liter Benzin, Mulis linkem Vorderrad, einem ständigen Aufeinandertreffen auf Elefanten und ohne Steckenbleiben erreichen wir ein Camp. Sogar als wir bereits am Lagerfeuer sitzen sind wir immer noch voll Adrenalin und vor allem verwundert, dass alles so gut ausgegangen ist.

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Tags darauf nehmen wir die Touristenroute und fahren in den Nationalpark. Dies ist natürlich keinesfalls mehr dasselbe, und so verzichten wir bald auf Safari und ergeben uns im Camp den unwirtlichen Temperaturen. Wir wollen oder besser müssen weiter, seit Mozambique begleitet uns Mulis Nabenproblem und langsam haben wir unser Glück ausgereizt. Offroad durch Botsuana war sicherlich auch nicht das Wahre für Muli und so starten wir Richtung Grenze nach Zambia.

Verdammt, wir haben kein Geld mehr! Übersehen bei den Abenteuern der letzten Tage, aber tatsächlich haben wir unsere Finanzen aus den Augen verloren. Botsuana scheidet zum Geldabheben aus und so müssen wir es riskieren und hoffen, dass wir noch genug für unsere Visas zusammenkratzen können. Nach 2,5 Stunden Zollformalitäten haben wir die Stempel in unseren Pässen, aber noch ist die Geldangelegenheit nicht vom Tisch: es gibt nämlich angeblich bei den Viktoria Fällen nur die Möglichkeit der Geldbeschaffung mittels Visa Card – wir sind stolze Besitzer einer Mastercard…. Der nächste Geldautomat (in anderer Richtung) ist zudem 400 km entfernt….

Dennoch fahren wir nach Livingstone, also Richtung Viktoria Fälle. Noch schnell die letzten Pula auf der Straße gewechselt und einige Zeit später erreichen wir auch schon die Stadt. Unser Geld ist super knapp und so müssen wir unser Nachtquartier ziemlich sorgfältig auswählen. Campen in der Stadt scheint nicht möglich, aber wir haben Glück und ergattern einen günstigen Backpacker, den wir uns (sofern die Benzinkalkulation passt) für eine Nacht leisten können. Wie gesagt, die Kalkulation ist mehr als auf den Cent genau und so kochen wir Reis, sind jedoch gezwungen Leitungswasser zu trinken. Mit einer Südtirolerin und ihren argentinischen Freunden machen wir uns dann abends auf dem Weg zum Rugby-Weltcup Finalspiel, bei dem Südafrika gewinnt, was die Stimmung im Zelt umso mehr anheizt.

Nach einem chilligen Frühstück mit Steffi starten wir die Fahrt zu den Viktoria Fällen, wissend, dass wir uns den Eintritt nicht leisten können. Irgendwie schräg, wenn man vor einem der Weltwunder steht und dann die paar Dollar für den Eintritt gerade zufällig nicht dabei hat ;-) Wir wandern also zur Brücke und stellen fest, dass niemand hier bemerkt, dass wir nicht bezahlt haben. Manchmal ist weiß sein einfach nur ein Vorteil, so eben auch hier und heute. Heiter hüpfen wir also durch die Wässerbäder vor dem großen Wasserfall, baden darin und begutachten die von der zambischen Seite unspektakulären Viktoria Fälle.

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Nach dem Besuch des Wasserfalles tanken wir dann die wirklich allerletzten Groschen in den Muli und reisen weiter nach Malazabo, wo wir im Garten eines motels campen und einen ruhigen Abend erleben.

Gleich am nächsten Morgen sind wir aber wieder unterwegs, diesmal 650 km lang durch Wald… nichts außer Wald! Kein Geschäft, kein Haus – Wald! Um 20 Uhr parken wir irgendwo im Wald und schlafen 11 Stunden am Stück durch! Eigentlich wollen wir nur noch auf schnellstem Weg nach Ostafrika, um Muli und uns von seinem Leid zu befreien, aber ein Zwischenstopp bei der mutinondo wilderness lässt sich kaum vermeiden. Die Gegend ist schön, viel Wald (langsam beschleicht mich das Gefühl ganz Zambia ist nichts als ein großer Wald mit einem Wasserfall) und so packen wir die Gelegenheit zum Wandern, Schwimmen, dem Kochen von Knoblauch Chapatis, Bier trinken und Zocken. Abends sitzen wir auf einer Anhöhe, überblicken tausende Kilometer Wald und werden mit einem feuerroten Sonnenuntergang belohnt.

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100 km Wald, 35 km offroad und schon stehen wir vor heißen Quellen. Diese sind recht nett, aber sicherlich die Fahrt nicht wert. Heute ist unser letzter Tag in Zambia und so können wir auch über diesen Umweg lachen, denn wenn alles gut geht, passieren wir morgen die Grenze nach Tansania. Malawi, Mozambique, Südafrika, Namibia, Botsuana und nun auch Zambia liegen hinter uns, seit wir Ostafrika verlassen haben. Jeder Tag hat sich gelohnt und war die Anstrengung wert, dennoch freuen wir uns wieder auf die Menschen und den Rhythmus, der uns erwartet.

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