Bild: Bolivien - Salar

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Simone & Andi everytime on tour

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Mauretanien

Entlang der Atlantikküste durchqueren wir die Westsahara in wenigen Tagen. Die Temperaturen steigen Richtung Süden stetig an, die Nächte bleiben angenehm lau und wir bekommen das erste Mal die Temperaturen der Sahara zu spüren. Erfolgreich bewältigen wir das Minengebiet der Westsahara, durchqueren Sandstürme und erreichen schließlich die Grenze Mauretaniens. mauretanien 44

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Simone hat sich bereits den Turban zurecht gesteckt und so passieren wir die Grenze stresslos und schnell. Schnell schließen wir noch eine  Autoversicherung ab, diskutieren kurz über die Aufenthaltsdauer und die Reiseroute und nach drei Stunden geht die Fahrt endlich weiter nach Nouadhibou, um Geld zu beheben und unseren Freddi für die geplante Wüstentour auf Vordermann zu bringen. Eine sandige Asphaltstraße führt entlang einer schönen Dünenlandschaft in die Stadt, wo die Armut und das harte Leben in jedem Gesicht zu lesen ist – ganz klar, nun sind wir endgültig in dem Afrika angelangt, das wir so mögen und das unsere Gefühle Achterbahn fahren lässt.

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Am nächsten Morgen ist die lange Fahrt in die mauretanische Sahara geplant, also füllen wir das Duschwasser am Dach auf,  kaufen noch ein wenig Brot ein und schon sind wir „on the road again“. Laut unserer Mappe müssten wir nach einem kleinen Dorf links abbiegen, Richtung Nirgendwo. Wir suchen Spuren, fahren hin und her, können aber nirgends irgendein Anzeichen von einer Piste finden und so beschließen wir, im Dorf nachzufragen. Kreuz und Quer geht’s auf sandigem Untergrund durchs Dorf, wir fragen nach Spuren und schon haben wir uns festgefahren im Sand. „Scheisse“, hat Andi doch glatt vergessen den Reifendruck zu reduzieren und so stecken wir bereits hier bis zum Rahmen im Sand.

So sind wir hier erstmals die Tagesattraktion, doch zum Glück wird uns auch schnell geholfen. Ein Dorfbewohner mit viel Wüstenerfahrung versucht Freddi wieder heraus zu fahren und schaltet ohne zu kuppeln, aber nach wenigen Versuchen ist unser Freddi wieder raus aus dem Sandloch. Das war uns eine Lehre, also beschließen wir etwas Luft abzulassen und die Piste bei km 125 zu nehmen. Trotz Auskünfte können wir die Abzweigung wieder nicht finden und diesmal pfeifen wir auf die Minenwarnung und fahren genau bei km 125 links von der Straße ab und rein in die Sandlandschaft. So kurven wir also erstmals irgendwo im Nirgendwo querfeldein -  nirgendwo ein Schild oder eine Spur, kein Auto, aber laut der Kompassnadel sollte die Richtung so in etwa stimmen. Und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch geht’s fortan für uns durch die Sahara;-)

Vier Stunden fahren wir durch Sand, ohne jegliche Spur in Sicht.  Wir folgen unseren Kompass Richtung Ost-Nordost und als wir plötzlich auf drei Typen treffen, die gerade Kamelfleisch grillen und uns herzlich dazu einladen, fällt uns erstmals ein Stein vom Herzen. Das Fleisch verschmähen wir vorsichtshalber, aber besseren Gefühls geht es weiter. Immer weiter zeigt die Nadel Richtung Ost und leider trügt unser Kompass nicht – wir sind falsch! Im Eiltempo geht’s zurück zum letzten Anhaltspunkt und wir erblicken 2 Autos – den einen kennen wir doch, oder? – so treffen wir abermals auf die 3 Typen von vorher ;-). Das andere Auto hat eine Reifenpanne und kein Werkzeug dabei und so naht Andi mit Hilfe. 4 Typen unterm Auto, 2 Schwarze beim Kamelfleischgrillen und Tee kochen, einer beim Beten und Simone beim Fotografieren, was für ein Anblick! Kurz vor der Abenddämmerung sind dann alle Fahrzeuge wieder fahrtüchtig und gemeinsam fahren wir im Konvoi in die nächste Wüstenstadt „Inal“. Dort trennen wir uns und suchen uns ein Nachtlager auf der Strecke nach Choum. Abends zieht eine Kamelkarawane am Horizont entlang und wir beide genießen den Sonnenuntergang mit Pink Floyd im Hintergrund. 12 Stunden sind wir heute gefahren und haben glatte 130 km von insgesamt  620 Kilometern geschafft.

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Am nächsten Morgen frühstücken wir dann erstmals gemütlich in der Sahara, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Die Fahrt entlang der Schienen sollte heute eigentlich gemütlich werden. Wir sehen den schwersten und längsten Zug der Welt, den „train de ore“, passieren Nomadenzelte und ein kleines Dorf. Doch schnell ist es mit der Gemütlichkeit auch schon vorbei, denn fetter „deepsand“ und Dünenpassagen lassen Freddi ganz schön schwitzen. Entlang der Dünen über lange Tiefsandstrecken kurven wir mit 5km/h dahin. Der Sand wird immer tiefer und wir kommen kaum noch vorwärts – wir stecken fest – wieder fast bis zum Rahmen. So heißts in der Mittagshitze schaufeln, anschieben und als es wieder los geht für Simone den ganzen Weg durch den Tiefsand zu Fuß zurück zu legen, denn Andi kann im Sand nicht mehr stehen bleiben;-)

Ab diesem Zeitpunkt bleiben wir bei jeder Düne stehen um den Weg zu prüfen, um nicht nochmals schaufeln zu müssen. Was für eine Landschaft - Kamelherden kreuzen unseren Weg, ansonsten nur Stille. Wir erreichen dann doch noch Choum, schlendern durch das kleine Dorf und fahren noch ein Stück weiter. 2 km abseits  der Piste, versteckt hinter den Felsen, schlagen wir unser Nachtlager auf, testen noch kurz unsere Dusche, kochen und verbringen die Nacht mit gewissem Respekt vor der Al-Quaida Problematik.

Am nächsten Tag erreichen wir gen Mittag Atar. Am Stadteingang treffen wir auf 3 Militärfahrzeuge und zwischen den Typen, eingehüllt in ihren Tagelmust, fühlen wir uns wie in Afghanistan. In der Stadt machen wir Bekanntschaft mit 2 Campbesitzern aus Holland, die uns erzählen, dass sie die letzten beiden Weißen in dieser Gegend sind. Sie kommen gerade von einer Besprechung über die Sicherheitslage der Stadt und die Touristenzahlen sind hier stetig beim Sinken. In den letzten Monaten waren glatte 4 Touristen auf ihrem Camp. Alle haben hier Angst, sind doch die Entführungen in die malische Sahara nicht gerade vielversprechend für uns Europäer.

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Wir erkundigen uns noch kurz über die Route und ab geht’s zum Markt. Oh mann wie armselig… kaum Obst und Gemüse, das Fleisch ist mit Fliegen übersät und im Großen und Ganzen gibt’s hier nicht viel. Wir tanken noch kurz Wasser und Sprit auf und langsam machen wir uns auf den Weg nach Chinguetti.

Über den Ebnoupass und das Hochplateau geht’s in die wunderschöne Oase, die von der Wüste wie eingefasst wirkt. Dünen umgeben das Dorf, Luft wird aus den Reifen abgelassen (diesmal auf 1,3 bar, denn uns wurde gesagt, dass die weitere Strecke ziemlich hart sein soll) und wir spazieren durch dieses wunderschöne Dorf. Die Altstadt wird von einer Moschee geschmückt, wir treffen auf Kinder, Esel, Ziegen und einige wenige Menschen. Hier, inmitten  dieser einzigartigen Landschaft  bekommen wir richtige Weihnachtsstimmung, welche wir bis dato wahrlich noch nicht hatten. Wir sind völlig fasziniert vom Flair – einfach ein Traum diese Oase!

Entlang des Oueds verlassen wir später langsam den Ort und bilden die einzige Spur im Sand, umgeben von Sanddünen wohin das Auge reicht fahren wir Richtung Osten – ein Saharatraum. Wir cruisen durch das Sandmeer, knipsen Fotos und versuchen irgendwo eine Autospur im Sand zu entdecken. Den Kompass wieder eingestellt Richtung O-NO geht’s über Dünen, bis wir auf Nomaden treffen. Ein netter Herr klettert mit Andi die Düne hoch und zeigt ihm die Richtung und so geht’s über tausende Sandkörner weiter. Endlich können wir Reifenspuren folgen und ein Gefühl der Sicherheit macht sich bei uns breit.

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Am nächsten Tag wachen wir hinter „unserer“ Düne auf, frühstücken und machen uns wieder auf den Weg. Der Wind hat leider bereits alle Spuren verweht und so queren wir Düne für Düne, und sicherlich schon weit abseits der Piste macht Andi einen folgenschweren Fehler – wir stecken fest. So heißt es wiedermal buddeln. Fredi gräbt sich mit jedem Versuch tiefer im Sand fest und mittlerweile sitzt er schon komplett im Sand auf. Nächster Versuch mit Anschieben – failed. Weit und breit kein Auto oder Mensch in Sicht. Wir kriechen unters Auto um den Freddi wieder frei zu bekommen und diesmal kommen die selbst-konstruierten Sandbleche zu Einsatz! Es klappt, und weiter geht die Fahrt. Hier ein Autoproblem und wir sind erledigt. Unsere Augen sind vom Spurensuchen bereits ziemlich ermüdet und die Nerven leicht angegriffen, wer will schließlich schon in der Sahara mit der Al Quaida Problematik festhängen.

Stunden später endlich – Nomaden in Sicht! Sie sind wie immer super nett und hilfsbereit. Wir werden auf Tee eingeladen und unterhalten uns mit allen Gliedmaßen. Aus einem kleinen Behälter wird uns Schmuck usw. vorgeführt und Andi raucht mit dem Mann des Hauses eine Zigarette aus Ziegenknochen, während Simone sich köstlich mit den Frauen amüsiert. Wir tauschen Gastgeschenke aus und sitzen in einer wirklich netten Runde beisammen. „Woher kommt Ihr eigentlich?“ fragt uns der Mann. „Aus Österreich“ antworten wir und mit beiden Händen gibt er uns zu verstehen, in welcher Richtung dieses Namsa (in arabischer Sprache) eigentlich liegt. Wir alle brechen in Gelächter aus … verabschieden uns schließlich, und fahren jetzt in der richtigen Richtung weiter.

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Querfeldein erreichen wir am späten Abend Atar. Verbringen die folgenden Tage beim Autoputzen und -durchchecken. Die Wüste hat uns gefesselt und so beschließen wir entlang der weißen großen Wüste in die Hauptstadt zu fahren. Nochmals 150km offroad und unser Herz blüht auf. Abermals verläuft die Fahrt abenteuerlicher als geplant. Wir stecken im Sand fest, passieren Berge und Schluchten und verfehlen erneut die Route. Doch jetzt ist nicht der Sand das Problem, sondern es lässt sich hier weit und breit kein Nachtlager finden. Seit 2 Stunden fahren wir bereits mit Fernlicht über Stock und Stein und so halten wir einfach im Nirgendwo an. In diesem Gebiet fühlen wir uns ziemlich unwohl, doch mangels Alternativen schlagen wir unser Nachlager auf. Bei jedem Geräusch schrecken wir auf und vertrauen nicht auf die bloße Anwesenheit von Wüstenfüchsen und Mäusen. Ferne Geräusche kommen immer näher und plötzlich nähert sich uns eine Gestalt. Mit höchster Vorsicht begegnen wir dem Nahekommenden – zum Glück mit einem Händeschütteln. Ein Hirte sucht nur seine Kamele, dennoch erweist sich diese Nacht als wenig erholsam. Tagsdarauf brechen wir früh auf und diesmal kann Andi seine Fahrkünste abermals unter Beweis stellen. Über Felsbröcke schleichen wir auf und ab, mit kaum schneller als 5 km/h, und fühlen uns wie bei der Ralley Dakar.

Nach zwei Tagesetappen erreichen wir endlich die Hauptstadt Nouakchott. Dort bleiben wir nur kurz, um das Visum für Mali und einen neuen Reifen für Freddi zu besorgen.  Nach Bamako sind es 1400 km und fast die Hälfte davon durch Al-Qaida-Gebiet. Sogar die Polizei warnt uns, und so verbringen wir die Nächte an Polizeiposten und versuchen uns während des Tages so unauffällig und schnell wie möglich weiter zu bewegen, sind ja vor wenigen Wochen 6 Touristen entführt worden. So schlagen wir uns 3 Tage lang in Richtung Osten – das Herz in der Hose und den Fuß am Gaspedal!

Nachtrag: Nur wenige Tage nachdem wir die Grenze zu Mali passiert haben, wurden auf dieser Strecke Polizeistuetzpunkte abgefackelt und Polizisten verschleppt. Es bekennen sich die Salafiten zu diesem Uebergriff. Auch die Nordgrenze Mopti - Burkina die wir vor wenigen Tagen passiert haben, gilt laut heutiger Mitteilungen als Al-Qaida Stuetzpunkt und wird daher als stark gefaehrlich im Hinblick auf Entfuehrungen eingeschaetzt.

Wir habens überlebt und sitzen derzeit bei den Rebellen in der Casamance :-)
 

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