Bild: Bolivien - Salar

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Autonome tibetische Praefektur

Wenig wissen wir ueber unser naechstes Ziel, doch fest steht, dass bereits der Klang des Namens Vorfreude in uns ausloest und wir es kaum mehr erwarten koennen, die autonome tibetische Praefektur Garze zu besuchen. Die Tibeter bezeichnen diesen Teil als Kham Region und im Augenblick ist dies das einzige Gebiet, das fuer Auslaender mehr oder weniger zugaenglich ist tibet hier gehts zu den Pics.

Doch bereits beim Kauf unseres Tickets nach Kanding, der ersten tibetischen Stadt, stehen wir unerwartet vor der ersten Huerde, denn die Dame am Schalter will uns partout kein Ticket verkaufen, weder heute noch morgen. So stehen wir also wie vor den Kopf gestossen am Busbahnhof, bemueht unser Anliegen wild gestikulierend verstaendlich zu machen doch es hilft nichts... weit und breit spricht hier wieder einmal niemand englisch und erst als ein junger Student die Situation wahrnimmt bietet er uns an, ein Ticket fuer uns zu kaufen. Geschafft! So sitzen wir also tagsdarauf im Bus, fahren abermals vorbei an den sanften gruenen Huegeln, die so typisch fuer China sind und landen schliesslich nach ausreichender Datenaufnahme durch die Polizei auf dem 2700 m hoch gelegenen Kanding. Eine interessante Stadt, in der zwar noch Han-Chinesen leben, aber die vor allem auch Heimat der Khampas ist und so einen bunten Mix der Kulturen vereint. Bei einer Kanne Yak-Buttertee nehmen wir dann unsere Umgebung in Augenschein...die tibetischen Frauen in ihren traditionellen Trachten, Moenche, Nonnen, geschaeftige Han Chinesen und stellen fest, dass die Tibeter um einiges aermer sind als wir uns dies bisher dachten. Doch generell muessen wir uns eingestehen, dass dies hier eine Region ist, von der wir viel zu wenig wissen und die unser Interesse auf jeden Fall geweckt hat. So betrachten wir weiterhin die farbenfrohen Tibeter, speisen abends leckere Momos in einem tibetischen Restaurant, das gleichzeitig als Schlaf- und Wohnzimmer der Familie dient, und freuen uns ueber die Heizdecke, die uns ueber die Nacht rettet.
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Heute gehts zum Tempel Nanswu, dem aktivsten Kloster in der Gegend. Doch eigentlich braucht man hier keinen Tempel zu besuchen, um die religioese, spirituelle Energie aufzusaugen, die ueberall herrscht. Ueberall haengen Unmengen an Gebetsfahnen, die Menschen murmeln unablaessig Mantras, meditieren mit Hilfe ihrer Gebetsketten, drehen die Gebetsmuehlen und unzaehlige Menschen umrunden die weisse Stupa. Ausserdem ist dies hier ein wahrer Farbenrausch und einfach nur ein Fest fuer die Sinne. Wir kommen mit einigen Moenchen ins Gespraech und freuen uns, dass sie ebenso an uns, wie wir an ihnen, interessiert sind . So kriegen wir einen kleinen Einblick in das Moenchsleben und kehren erst geraume Zeit spaeter wieder zurueck um noch ein wenig wandern zu gehen und uns mit Tsampa und Momos den Bauch vollzuschlagen.

tibet 011Dabei kommen wir abermals ins Gespraech und so langsam klaeren sich einige offene Fragen, aber dazu spaeter.

Den naechsten Tag verbringen wir mit Wandern und dem Bestaunen der schneebedeckten Himalaya Berge und auch unsere Weiterfahrt nach Tagong laesst jedes Bergsteigerherz hoeher schlagen. Im vollbepackten Minibus koennte man meinen wir fahren in den Wilden Westen, denn die Maenner mit ihren langen Zoepfen, Fellen und Cowboy Hueten erinnern uns mehr an Bolivien als an einen Ort in Asien. Immer hoeher gehts hinauf und als wir das wunderschoene Hochplateau passieren treffen wir auf Yaks, vereinzelte Backstein Haeuser, Tempel, Gebetsfahnen, Choerten und kleinen Siedlungen umrahmt von schneebedeckten Bergen. Goldene Daecher der Tempel blitzen im strahlenden Blau des Himmels und als wir ein riesiges Kloster sehen erreichen wir den 3300 m hoch gelegenen Ort Tagong.

Oh Mann ist das schoen hier! Maenner reiten an uns vorbei, wir laufen uber die Grassteppe, bestaunen die Fahnen am Platz fuer die Himmelsbestattungen und sind tief beruehrt, wieweit die Religion hier das Leben bestimmt. Unablaessig werden Gebetsmuehlen gedreht und wir koennen uns gar nicht satt genug sehen. Die Menschen, die Atmosphaere... es dauert nicht lange bis man sich in Tibet verliebt :-)

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Doch die Situation, so friedlich sie auch auf uns wirkt ,entspricht leider nicht ganz den Tatsachen. China erkennt Tibet ja nicht als autonom an, eine Tatsache, welche durch die Rohstoffe die in Tibet lagern eher nicht zum Sturz kommt. Dazu pumpt China eine Menge Kapital nach Tibet und unzaehlige Chinesen siedeln sowohl in die autonome Region, als auch in die Praefekturen um. Repressiv wird chinesische Lebensweise umgesetzt, was sich jedoch so gar nicht mit der Haltung der Tibeter vereinbaren laesst. Widerstaendler werden festgenommen und gefoltert, der Dalai Lama gilt als Staatsfeind (man kann ihn auch nicht im Internet googlen...) und seine Gefolgsleute als Terroristen. Infolge der dramatischen Lage und der enormen Beschraenkung ihrer Religionsfreiheit haben sich heuer im Fruehjahr einige Moenche als Protest selbst verbrannt, was zu noch mehr Festnahmen fuehrte. Dies ist auch der Grund, warum keine Visas mehr fuer die Autonome Provinz ausgestellt werden und auch hier bei uns Auslaender inoffiziell die Region nicht bereisen duerfen. Deshalb gibt's keine Bustickets und wie uns ein Tibeter schon gesagt hat, sobald jemand mit Auslaendern spricht kommt die Polizei und er wird hinterher verhoert. Was und mit wem man spricht will die chinesische Regierung schon ganz genau wissen und da sie Personen ohne Angabe von Gruenden und ohne Anwalt oder Kontaktaufnahme mit Verwandten 6 Monate lang festhalten koennen, brodelts ganz schoen hier... Die Moenche werden von “Feuerwehrmaennern” kontrolliert, als Touristenguides duerfen nur mehr “eingeschulte” Personen (vorrangig Chinesen) arbeiten und Auslaender werden sogar im Restaurant registriert...

Dennoch erfahren wir hier einiges von den Menschen und man hat das Gefuehl, sie wollen dass die Welt weiss was hier so wirklich passiert. Dennoch, von aussen betrachtet erscheint es hier wie eine Insel der Seeligen. Also gehen wir eine Kora und freuen uns dass wir hier sind, auch wenn wir mit eiskaltem Wasser und luftigen Fenstern leben muessen und so richtig frieren.

Weiter gehts in die Hoehe und wir fahren ueber eine mit Schlagloecher versehrte Strasse gemeinsam mit Malika, einer hollaendischen Fotografin, nach Yajiang. Dort heissts erstmals mit der Polizei zu diskutieren und schliesslich mit den 2 Moenchen im Auto abhauen. Wir fahren die beruehmte Suedroute der Sichuan-Tibet-Fernstrasse und dies bedeutet Serpentinen, Staub, Nadelwald, Minen und je laenger die Fahrt wird desto schoener wirds. Immer am hoechsten Punkt singen die Moenche hinter uns und beten, und lansam verschwinden die Baeume und wir kurven ueber das beruehmte Hochplateau, ueberzogen mit einer Grassteppe und tibetischen Symbolen. Wir erfahren, dass einer der Moenche das letzte mal 3 Monate lang zu Fuss nach Lhasa gewandert ist und auch wenn wir es uns immer wieder vor Augen fuehren... abends auf ueber 4000 m scheint unser Kopf zu explodieren.

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Der naechste Tag beginnt zunaechst wasserlos und es ist ziemlich frisch vor der Tuer. Aber die freundlichen “Tascheelay” Begruessungen entschaedigen fuer die Kaelte und wir machen uns auf den Weg zur Baita Gongyuan. Diese Choerte wird staendig von Glaebigen umrundet, welche dabei Mantras murmeln und Gebetsraeder drehen. Simone setzt sich auf einen ruhigen Platz und es dauert nicht lange bis 2 alte Frauen und ein alter Mann auftauchen. Dann nimmt eine der Frauen Simones Hand in ihre und beginnt zu beten... es ist beruehrend, einfach weil die Menschen hier so unglaublich nett sind und einem so willkommen heissen. Spaeter gehts in die Choede Gompa, eine riesige und wunderschoene Klosteranlage. Am Vorplatz spielen die jungen Moenche und im Tempel sitzen die Aelteren zusammen, trinken Yak Buttertee und meditieren nach dem gemeinsamen Mahl.

Auch wir goennen uns heute wieder leckeres tibetisches Essen (ein Hochgenuss nach dem Essen in China) und muessen dabei leider dem chinesischen Militaer, welches die China Flagge schwingt, zusehen.

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Heute ist es nicht nur kalt, nein, es hat auch geschneit und wie immer gibt s kein Wasser. Egal, wir putzen die Zaehne auch ohne Ausspuelen und schon sind wir unterwegs... in aller Herrgottsfrueh. Die tibetischen Haeuser und die schneebedeckten Berge ergeben ein wunderschoenes Panorama und die Ruhe morgens sorgt fuer eine besondere Atmosphaere. Wir folgen den Gebetsfahnen, wissen wir doch, dass heute eine Himmelsbestattung stattfindet. Hier ist es kein Problem wenn Touristen (die ja so gut wie nicht vorhanden sind) der Zeremonie beiwohnen und wenn die Familie des Toten sich nicht an uns stoert, koennen wir gemeinsam mit Malika Zeugen dieses Spektakels werden.

Wie erhofft werden wir nicht weggeschickt und so stehen wir etwas abseits, als der Moench die Leiche auspackt und den Toten auf die Erde legt. Der Moench schneidet vorsichtig dem Leichnam den Kopf ab und die Haut wird bis auf die Knochen am ganzen Koerper zerschnitten. Die Knie werden angewinkelt und schon wird der Leichnam den Aasgeiern uebergeben. Fluegel schlagen ueber der Leiche zusammen und das Schauspiel ist fuer uns extrem anzuschauen. Als das ganze Fleisch bereits abgezupft und das blose Skelett am Boden liegt, startet das letzte Ritual. Der Moench sammelt die rumliegenden Knochen des Korpus, des Schaedels usw. ein und beginnt mit einem Beil die Knochen zu zertruemmern. Er vermischt dieses Mehl anschliessend mit Tsampa, damit auch der Rest des Leichnams in die Luefte befoerdert werden kann. Voegel stuerzen ueber diesen letzten Schmaus her und zurueck bleibt – nichts – einfach nichts! Welch oekonomische Art der Beerdigung!

Den restlichen Tag haben wir dann weniger Hunger als ueblich :-), schlendern durch die Gegend und geniessen unsere Zeit. Bald laeuft unser Visa ab und so muessen wir auch bald wieder weiter... entlang des wunderschoenen Hochlandes, Schluchten, kleinen Doerfchen immer weiter bis auf 5000 m Hoehe. Es ist saukalt draussen und es schneit und eines steht fest: wir kommen wieder!!!!!

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